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Der Glaube der Aramäer
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Das Christentum ist eine semitische Religion (Teil 3)

Das Neue Testament wurde von einer Sprache in die andere übersetzt. Ursprünglich hatte man es aramäisch in der Sprache, welche die ersten, d.h. die galiläischen, palästinensischen und aramäischen Nachfolger Jesu sprachen und schrieben, aufgezeichnet. Später wurde es auch den andern Völkern, anderer Rassen zugänglich gemacht. Anders ausgedrückt heißt das: Das Christentum entstand in Palästina, Aram und Aram-Naharaim, wo es sich zunächst unter den einheimischen, semitischen Völkern ausbreitete, die durch Blutband, Überlieferungen und Lebensgewohnheiten miteinander verbunden waren; später erreichte es die Griechen, Römer, Franken, Briten und die Bewohner anderer europäischer Länder.

Die griechische Eroberung Asiens hatte keinen nachhaltigen Einfluss auf dir dort lange vorher entstandenen orientalischen Bräuche, Religionen und geheiligten Satzungen und änderte auch die Sprache der einheimischen Völker nicht. Es war für die fünfundvierzigtausend Mazedonier (Griechen) unmöglich, in der relativ kurzen, ihnen zur Verfügung stehenden Zeit auf das Alltagsleben der Millionen von ihm Nahen Osten lebenden Menschen entscheidend einzuwirken. Nach Alexanders Tod teilten seine Heerführer sein riesiges Reich unter sich auf. Mehrere von diesen griechischen Generälen beherrschte, aber von den Orientalen verwaltete Königreiche entstanden in Aram, Persien und Ägypten. Entscheidender war jedoch, dass die Griechen eine reiche Siegesbeute von Babylon und Persepolis in ihre Heimat schleppten und auf diese Weise östliche Kunst und Kultur in der westlichen Welt einführten. Hierüber schreibt Prof. Dr. James Breasted, der Direktor des Orient-Instituts und Prof. für Geschichte des Orients an der Universität Chicago, in seinem 1935 bei Ginn & Co. erschienenen Buch «Ancient Times, A History of the Early World» auf Seite 481:

Während Alexanders Siege und Eroberungen die Militärmacht des Orients zerstörten, blieb das tägliche Leben und die Zivilisation der Bevölkerung des Morgenlandes unangetastet weiterbestehen und übte in mancher Hinsicht einen stetigen, starken Einfluss auf den gesamten östlichen Mittelmeerraum aus: in Handel, Regierungsformen, Sitten und Gewohnheiten, Kunst, Gewerbe, Literatur und Religion. Als das Christentum begann, sich über Palästinas Grenzen hinaus auszubreiten, war es, wie wir sehen werden, nur einer der vielen Einflüsse, der vom Orient her auf den Westen einwirkte.

Die eigentliche Bevölkerung Aram, Palästinas und Aram-Naharaim fuhr jedoch unverändert damit fort, in Handel und Wandel, Gewerbe und Religion ihre eigene Muttersprache, das Aramäische, zu gebrauchen. Sie tat dies auch während der ganzen Langdauernden westlicher Besetzung, die im Jahre 650 n. Chr. durch die arabische Eroberung abgelöst wurde. Sogar unter der Herrschaft der Araber und der Türken behauptete das Aramäische sich immer noch. Es wurde in Libanon und in Aram bis vor einpaar hundert Jahren ganz allgemein gesprochen. Jetzt ist es zur Kirchensprache von nahezu einer Million Aramäern im Libanongebirge geworden. An vereinzelten Orten Syriens (Aram), im Südosten Türkei (Tur-Abdin), in der Diaspora, und vor allem im nördlichen Aram-Naharaim hat es sich sogar bis heute noch als Umgangssprache des aramäischen Volkes behauptet.

Abgar der Große
Der Briefwechsel zwischen dem aramäischen König Abgar V. von Urhoy (Edessa) und Jesus wird von den aramäischen Kirchenvätern als Zeugnis dafür verwendet, dass die Aramäer bereits zur Zeit Jesu die Frohe Botschaft angenommen haben.

George M. Lamsa, Ursprung des Neuen Testaments. Übersetzt von Dr. Richard E. Koch 1965.