baner
Sie sind hier:   Start Newsarchiv Bundestag: Politiker über die Drangsalierung der türkischen Christen
Bundestag: Politiker über die Drangsalierung der türkischen Christen PDF Drucken
Freitag, 27. April 2012

Politiker aller Bundestagsfraktionen haben von der Türkei die Achtung der Religionsfreiheit gefordert - Steinbach/CDU: Vor 60 Jahren seien 20 Prozent der türkischen Bevölkerung Christen gewesen, heute nur noch 0,15 Prozent.

Berlin (kath.net/KNA) Politiker aller Bundestagsfraktionen haben von der Türkei die Achtung der Religionsfreiheit gefordert. Bei einer Debatte am Donnerstagabend im Bundestag über den Erhalt des syrisch-orthodoxen Klosters Mor Gabriel im Südosten der Türkei, beklagten sie eine Drangsalierung der Christen. Das Kloster sei Symbol für den Umgang der Türkei mit christlichen Einrichtungen und religiösen Minderheiten, sagte die menschenrechtspolitische Sprecherin der Unions-Bundestagfraktion Erika Steinbach (CDU).

Anlass der Aussprache war die Erste Lesung eines Antrags von Union und FPD unter dem Titel: «Fortbestand des Kloster Mor Gabriel sicherstellen». Politiker der Opposition stimmte dem Grundanliegen zu, übten aber Kritik an der Ausrichtung der Vorlage.

Das im Jahr 397 gegründete Kloster ist eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt. Derzeit leben dort 14 Nonnen und zehn Mönche. Nach Angaben von Menschenrechtlern sind in der Region Tur Abdin und im Nordirak Hunderte der verbliebenen Christen von Enteignungen bedroht. Im Zusammenhang mit der erstmaligen Landvermessung zur Anlage von Grundbüchern in der Region kam es zu zahlreichen Konflikten um Grundeigentum. Rund 300 Gerichtsverfahren seien anhängig. Darunter ist der Streit um Liegenschaften des Klosters Mor Gabriel der bekannteste.

Der Antrag fordert von der Bundesregierung, sich in Abstimmung mit den EU-Partnern dafür einzusetzen, «dass die türkische Regierung die Existenzgrundlage und die Lebensperspektive des Klosters» dauerhaft garantiert. Sie solle sicherstellen, «dass religiöse, nichtmuslimische Minderheiten Rechtspersönlichkeit erlangen und als anerkannte Minderheit ihre Rechte uneingeschränkt ausüben können». Trotz «einiger kleiner Fortschritte» sei die Religionsfreiheit in der Türkei nach wie vor stark eingeschränkt.

Nach Steinbachs Einschätzung ist mit dem Kloster der Bestand der syrisch-orthodoxen christlichen Kultur in der Türkei gefährdet. Es gebe zwar offiziell Religionsfreiheit. In der Praxis hätten religiöse Minderheit in der Türkei aber nur «sehr eingeschränkte Rechte». Bau und Erhalt von Kirchen seien nahezu unmöglich. Christlich Geistliche lebten in Lebensgefahr. Vor 60 Jahren seien noch 20 Prozent der türkischen Bevölkerung Christen gewesen. Heute sei ihr Anteil auf 0,15 Prozent geschrumpft.

Pascal Kober (FDP) forderte von der Türkei weitere Fortschritte bei der Achtung der Religionsfreiheit. Die SPD-Abgeordnete Angelika Graf bezeichnete das Kloster als Symbol des Überlebens der aramäischen Kultur. Sie bemängelte aber, dass dem Antrag der Blick auf den kulturellen Reichtum fehle, der der Türkei verloren gehe, und dass Union und FDP bei der Vorlage nicht alle Fraktionen einbezogen hätten.

Die Abgeordnete der Links-Partei, Lukrezia Joachimsen, beklagte, dass in der Türkei eine religiöse Minderheit, die ein uraltes, großes religiöses Erbe vermittle, «gnadenlos drangsaliert» werde. Der Antrag belasse es aber nur bei Appellen. Sie schlug einen ständigen Beobachter bei den Gerichtsverfahren und einen Arbeitsbesuch deutscher Regierungsmitglieder im Kloster vor.

Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Josef Winkler, sprach mit Blick auf das Kloster von der «Spitze des Eisbergs». Es gebe einen fast biblischen Exodus der christlichen Minderheit aus der Türkei. Viele Klöster würden «von Enteignungsverfahren überzogen». Allerdings mahnte er im Gegenzug auch die Achtung der Religionsfreiheit gegenüber Muslimen in Deutschland an. Das gelte etwa für die «Hürden» bei der staatlichen Anerkennung.

http://www.kath.net/detail.php?id=36301