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Schriftliche Anfrage an die EU Kommission - Kloster Mor Gabriel‏ PDF Drucken
Samstag, 18. April 2009

Auf Anfrage von David Erkalp, MdHB (CDU), hat Herr Dr. Georg Jarzembowski MdEP (Abgeordneter im Europäischen Parlament), eine schriftliche Anfrage an die EU Kommission zum Kloster Mor Gabriel gestellt.Die Anfrage wurde soweit es ging von beiden besprochen und durchgearbeitet, sodass sie später von Dr. Jarzembowski auf EU Norm gekürzt und am 15.04.2009 an die Europäische Kommission gestellt wurde.

Das im Jahre 397 nach Christus gebaute Kloster “Mor Gabriel“ in Midyat in der Provinzregion Mardin ist das geistliche Zentrum der Syrisch-Orthodoxen Christen, der Aramäer, in der Türkei. In dem Kloster Mor Gabriel leben ca.70 Mönche und Nonnen. Das Kloster ist jährlich Ziel für tausende aramäischer Besucher.

Dies über 1.600 Jahre alte Kloster wird seit 2008 mit einer Flut von Gerichtsprozessen überzogen, u.a. wird dem Kloster ”rechtswidrige Ansiedlung” vorgeworfen. Diese Klagen wurden u.a. durch benachbarte Dörfer repräsentiert durch führende AKP Politiker angestrengt. Sollten diese Klagen Erfolg haben, droht die Vertreibung der aramäischen Mönche und Nonnen aus dem Kloster Mor Gabriel und damit das Ende einer 1.600 Jahre alten nicht-muslimischen Tradition in der Südosttürkei.

Die aramäische Glaubensgemeinschaft ist in der Türkei nicht als religiöse Minderheit anerkannt. Gemeinschaften, die in der Türkei nicht als religiöse Minderheit anerkannt sind, dürfen sich weder auf Minderheitenrechte berufen, keinen Nachwuchs ausbilden noch ihren Glauben oder ihre Sprache lehren bzw. an die nächste Generation weitergeben. Seit dem 6. Oktober 1997 besteht in der Türkischen Republik ein offizielles Unterrichtsverbot für das Aramäische, der Sprache Jesu in der syrisch-orthodoxen Kirche.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Kommission:

1. Beobachtet die Europäische Kommission die Verfahren gegen das Kloster Mor Gabriel ?

2. Wie bewertet die Kommission die laufenden Klagen gegen das Kloster Mor Gabriel ?

3. Welchen Status hat aus Sicht der Kommission das Volk der christlichen Aramäer in der Türkei ?

4. Ist - vor diesen Hintergründen - in der Türkischen Republik die Religionsfreiheit gewährleistet ?

5. Sieht die Kommission in dem Unterrichtsverbot für das Aramäische und der Nichtanerkennung der Aramäer als religiöse Minderheit eine Belastung für die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ?

6. Beabsichtigt die Kommission, im Rahmen der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sicherzustellen, dass religiöse (aber nicht offiziell anerkannte) Minderheiten in der Türkei mehr Rechte bekommen und besser geschützt werden ?