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Ethnische Säuberungen durch Islamisten gehen weiter – Nach Maalula, jetzt Sadad ! Christen in Syrien vor dem Aus?! PDF Drucken
Freitag, 25. Oktober 2013

Maalula – Symbol der Christenheit akut bedroht
 
Vor wenigen Wochen wurde die aramäische Kleinstadt Maalula – eine der bedeutendsten christlichen Stätten Syriens – von islamistischen Rebellen angegriffen. Dabei wurden mehrere Aramäer getötet. Die meisten Bewohner konnten mitten in der Nacht in das benachbarte arabische Dorf Ayn it-Tine flüchten. Geflohene Bewohner berichten von weiter anhaltenden Schießereien, schweren Verwüstungen, Übergriffen und sogar Zwangskonvertierungen zum Islam mit Waffengewalt und der Drohung, man werde ihnen sonst den Kopf abschlagen. Rebellen hätten die Bewohner als „Kreuzfahrer“ und den zum Weltkulturerbe zählenden Wallfahrtsort als „Wunde Christi“ bezeichnet.
 
Der Angriff auf Maalula, welches seit Anbeginn christlicher Zeitrechnung christlich-aramäisch geprägt ist, istbezeichnend und hat für die gesamte Christenheit in Syrien eine fatale Signalwirkung. Eine erfolgte Meldung vom Ende der Kämpfe und dem Abzug der Dschihadisten aus Maalula nordöstlich der Hauptstadt Damaskus stellt sich inzwischen als falsch heraus, wie der renommierte Semitist und Maalula-Forscher Prof. Dr. Werner Arnold von der Universität Heidelberg bestätigt:
 
„Maalula, das schönste Dorf Syriens, ist durch den Angriff teilweise zerstört und noch immer von Rebellen besetzt. Die Einwohner haben bei Verwandten oder in den Klöstern in Damaskus Zuflucht gefunden. Sie haben ihren gesamten Besitz verloren, keine Arbeit mehr und können ihre Felder nicht mehr bestellen. Mittlerweile ist das einst lebendige Maalula eine verlassene Geisterstadt. Nur wenn die aramäischen Bewohner eines Tages nach Maalula zurückkehren und das Dorf wieder aufbauen können, wird das jahrtausendealte Aramäische Kulturerbe, die nun akut vom Aussterben bedrohte westaramäische Sprache von Maalula überleben.“
 
Das Westaramäische war die Sprache der Christen, Juden und Samaritaner und vor 2000 Jahren auch die Sprache Jesu Christi, die nur in Syrien überlebt hat.  Es ist die altertümlichste Form des Aramäischen, die bis in die Gegenwart überlebt hat. Die letzten Christen, die diese bedeutende Kultursprache im Alltag benutzen, waren die Christen von Maalula.
 
Kirchenglocken in Sadat sind verstummt
 
Nach dem Überfall auf den Wallfahrtsort Maalula, werden seit dem 21.10.2013 die überwiegend von aramäischen Christen bewohnten Städte Sadad und Hafar von radikal-islamistischen Gruppierungen der Al-Nusra-Front angegriffen und bedroht. Es gab bereits Dutzende Tote und Verletzte.
 
Dem Bundesverband der Aramäer in Deutschland liegt ein dringender Hilferuf des Erzbischofs der Syrisch-Orthodoxen Diözese Homs, Mor Silvanus Boutros Alnemeh, vor.

Den Informationen zufolge drangen militante Banden in Sadad ein, überfielen die Bewohner, raubten und zerstörten sowohl staatliche Einrichtungen, wie Krankenhaus und Post, als auch privates Eigentum und beschlagnahmten die Fahrzeuge der Einwohner. Die schwerbewaffneten Islamisten richteten Straßensperren ein und forderten per Lautsprecherdurchsagen die Christen dazu auf, ihre Häuser nicht zu verlassen.
 
Tausende Menschen sind seit 4 Tagen in ihren Häusern gefangen, ohne Strom, Wasser und Nahrungsmittel. Wer das Haus verlässt, droht getötet zu werden. Die syrische Armee versucht die Islamisten aus Sadad zu vertreiben und liefert sich dabei heftige Auseinandersetzungen mit den Kämpfern der terroristischen Al-Nusra-Front.

Sadad, zwischen Damaskus und Homs gelegen, wurde bereits im Alten Testament erwähnt und ist eine der ältesten christlichen Ortschaften Syriens. Ihre Bewohner sind vorwiegend Aramäer und sprechen bis heute Aramäisch, die Sprache Jesu. Sadad ist sehr bekannt für seine vielen, alten Kirchen, wie die Kirche der Muttergottes, die Kirche des Heiligen George und der Heiligen Mor Sergius und Bacchus. Zahlreiche Vertriebene und Flüchtlinge aus anderen Ortschaften haben zuletzt in Sadad Zuflucht gefunden. Mittlerweile leben dort etwa 15.000 Christen.

Mit großer Sorge appelliert der Vorsitzende des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, an die deutsche Bundesregierung, sich verstärkt für die schutzlosen Christen in Syrien einzusetzen: „Die ethnischen Säuberungen in Syrien, die vor den Augen der internationalen Staatengemeinschaft stattfinden, gehen weiter. Nach dem Angriff auf die aramäische Christen-Enklave Maalula befindet sich nun das historische Sadad im Kreuzfeuer der Islamisten, die mehr und mehr die Kontrolle im Land übernehmen und den Christen in brutaler Art und Weise das Existenzrecht absprechen. 500.000 Christen haben ihre Heimat bereits verlassen. Das Aramäische Urchristentum steht in Syrien vor dem Aus, der vollendete Exodus ist nur eine Frage der Zeit.“