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Islamisten verüben Massaker an Christen in Syrien – Schicksal der seit 200 Tagen entführten Erzbischöfe weiter ungewiss PDF Drucken
Donnerstag, 07. November 2013

Heidelberg/Damaskus, 7.11.2013 – In der syrischen Stadt Sadad haben bewaffnete Islamisten ein Massaker an aramäische Christen verübt. Insgesamt 45 Tote, darunter ganze Familien, Frauen und Kinder, wurden in Massengräbern verscharrt aufgefunden.

Nach dem Überfall auf den Wallfahrtsort Maalula, wurde die vorwiegend von aramäischen Christen bewohnte Stadt Sadad am 21. Oktober von mehreren islamistischen Rebellengruppen überfallen und eine Woche besetzt gehalten. Die syrische Armee konnte die Besatzer in den vergangenen Tagen vertreiben und die Stadt zurückerobern. Den Augenzeugenberichten zufolge, wurden viele Zivilisten von Al-Nusra und Daash - Milizen am Tag der Invasion auf der Flucht ermordet. Die Islamisten hinterließen eine völlig verwüstete und ausgeplünderte Stadt.

Der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Homs und Hama Mor Selwanos Boutros Alnemeh zur tragischen Bilanz der Invasion islamistischer Milizen: „Was in Sadad stattgefunden hat, ist das größte Massaker an Christen, das es in Syrien seit zweieinhalb Jahren gegeben hat. Insgesamt 45 unschuldige Zivilisten, unter ihnen mehrere Frauen und Kinder, wurden ohne Grund ermordet und in Massengräber geworfen. Andere Zivilisten wurden bedroht, Dutzende Menschen wurden verletzt und 10 werden vermisst. Eine Woche lang wurden 1.500 Familien in Geiselhaft gehalten und als Schutzschilde missbraucht. Einige versuchten zu Fuß zu fliehen und die 8 km lange Strecke nach Al-Hafer zurückzulegen, um dort Zuflucht zu finden. Rund 2.500 Familien, die aus Sadad flohen leben nun als Binnenflüchtlinge in Damaskus, Homs, Fayrouza, Zaydal, Maskane und Al-Fhayle.“

Verzweifelt berichtet Erzbischof Alnemeh weiter: „In der Stadt gibt es heute weder Strom, noch Wasser oder Telefon. Alle Wohnungen wurden geplündert und ausgeraubt. Die Kirchen verwüstet und geschändet. Antike Bücher und wertvolle Gegenständen gestohlen und die Wände mit antichristlichen Schriften beschmiert. Schulen und öffentliche Gebäude wurden verwüstet, darunter auch das Postamt, das Krankenhaus und eine Klinik. Die Kinder von Sadad wurden ihrer Zukunft beraubt”.

„Wir haben die Welt verzweifelt um Hilfe gebeten, doch niemand hat uns gehört. Wo bleibt das Gewissen der Christen? Wo bleibt das Gewissen der Menschheit? Wo sind unsere Brüder und Schwestern? Wenn ich an die vielen Menschen denke, die heute trauern oder Not leiden, schnürt sich mir die Kehle zu, weil dies alles in meiner Erzdiözese geschehen konnte. Wie sieht unsere Zukunft aus? Wir bitten alle um ihr Gebet für uns”, appelliert Erzbischof Selwanos Boutros Alnemeh.

Bundesverband der Aramäer fordert Schutz der Christen in Syrien

Mit Blick auf die schrecklichen Ereignisse in Sadad äußert sich der Vorsitzende des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, in großer Sorge: „Der schleichende Völkermord am syrischen Christentum ähnelt dem Schicksal der Christen im Irak und geht mit unmenschlichen, barbarischen Enthauptungen und Hinrichtungen von Zivilisten, Geistlichen und Kindern unvermindert weiter.“

Weiterhin fordert er die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, sich verstärkt für die schutzlosen Christen in Syrien einzusetzen: „Der Angriff auf den aramäischen Wallfahrtsort Maalula, die Vertreibung der Christen durch islamistische Rebellen sowie das jüngste Massaker in Sadad dokumentieren die ethnischen Säuberungen durch radikale Kräfte im Mantel der Oppositionsbewegung. Bereits jetzt haben 500.000 Christen ihre Heimat verlassen. Das Aramäische Urchristentum in Syrien ist akut bedroht.“

Erzbischöfe seit 200 Tagen vermisst

Mit dem morgigen Datum sind 200 Tage vergangen und noch immer fehlt von den entführten Erzbischöfen Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und Boulos Yazigi jedes Lebenszeichen. Bei der brutalen Entführung am 22. April 2013 wurden der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und sein griechisch-orthodoxer Amtskollege Boulos Yazigi nahe der Stadt Aleppo von islamistischen Rebellen verschleppt. Der Vorfall ereignete sich in einer von der oppositionellen Freien Syrischen Armee kontrollierten Region. Dabei wurde der Fahrer und Subdiakon von Bischof Ibrahim, Fatha’Allah Kabboud, ermordet. Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland und das Syrisch-Orthodoxe Patriarchat in Damaskus bestätigen, dass weiterhin keine verlässlichen Hinweise über Identität, Motive oder (Lösegeld-) Forderungen der Täter vorliegen. Sämtliche Bemühungen um die Freilassung der Bischöfe blieben bisher erfolglos.

„Mit der Entführung der Erzbischöfe, die seit 200 Tagen vermisst werden, ist die gesamte Christenheit Syriens in Geiselhaft geraten und kämpft um ihr Überleben. Sie fühlen sich von der Welt im Stich gelassen.“, mahnt der Bundesvorsitzende Daniyel Demir eindringlich.

Die deutsche Bundesregierung ist gefordert, den politischen Druck auf die syrische Opposition deutlich zu erhöhen und die diplomatischen Bemühungen für eine unverzügliche Freilassung der entführten Bischöfe zu intensivieren.