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Erster Aramäer in Israel offiziell registriert PDF Drucken
Freitag, 24. Oktober 2014

2jähriger Jaakov schreibt im Heiligen Land Geschichte
Heidelberg, 24.10.2014 – Der zweijährige Yaakov Haloul aus Galiläa schreibt im Heiligen Land Geschichte: Er ist der erste offiziell registrierte Aramäer in Israel. Durch die erlassene Richtlinie des kürzlich ausgeschiedenen Innenministers Gideon Sa'ar im vergangen Monat, ist es den Christen als Angehörige der aramäischen Gemeinschaft jetzt möglich, ihre eigene ethnische Zugehörigkeit in den Ausweisdokumenten eintragen zu lassen. Bislang mussten die Christen in Israel die Bezeichnung „Araber“ annehmen. Mehrere 10 Tausend Änderungsanträge wurden bereits eingereicht.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland zeigt sich erfreut über die Entscheidung der israelischen Regierung, als erstes Land im Nahen Osten überhaupt, die Aramäer als eigenständige ethnische Gemeinschaft anzuerkennen und die Bezeichnung „Aramäer“ als standesamtliche Eintragung zuzulassen. Betroffen von dieser Entscheidung sind schätzungsweise 130 – 160 Tausend christliche Aramäer im Kernland Israels und in Ost-Jerusalem, die Angehörige der Religionsgemeinschaften syrisch-orthodox, syrisch-maronitisch, syrisch-katholisch sowie griechisch-orthodox und griechisch-katholisch, sind.

Zu den Hintergründen dieser historischen Entwicklung erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir: „Die Aramäer lehnen die Bezeichnungen „Araber“ als auch „Palästinenser“ für ihre Gemeinschaft ab. Nach der Staatsgründung Israels wurden sie jedoch gegen ihren Willen zu der Gruppe der Araber gezählt. Seither wurden sie in ihren Ausweisen als „Araber“ geführt. Die Aramäer Israels haben dies stets abgelehnt und seit Jahren für eine eigenständige Bezeichnung gekämpft, die ihre eigene ethnische Herkunft zum Ausdruck bringt. Wir sind sehr glücklich darüber, dass die Israelische Regierung die aramäische Gemeinschaft und Identität nunmehr offiziell anerkennt.“

„Die Aramäer stellen eine eigenständige ethnische Gemeinschaft dar, die auf eine Geschichte von mehr als viereinhalb Tausend Jahren zurückblickt. Die Existenz der Aramäer im Heiligen Land ist

seit Jahrtausenden dokumentiert und im Alten Testament ebenfalls einschlägig belegt – lange bevor die ersten Araber im Zuge der islamischen Expansion im 8. Jahrhundert in Syrien und dem Heiligen Land auftauchten“, so Daniyel Demir weiter.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland rechnet damit, dass der größte Teil der christlichen Minderheiten in Israel sich für diese Bezeichnung entscheiden wird. Laut Angaben der aramäischen Verantwortlichen in Jerusalem haben sich bereits mehr als 10 Tausend Menschen für die Bezeichnung „Aramäer“ entschieden. Voraussetzung für die Registrierung ist der Nachweis über die Herkunft aus dem Nahen Osten, Aramäisch als Muttersprache sowie die Zugehörigkeit zu einer der genannten Kirchen. Auch die Aramäer, die unter palästinensischer Verwaltung leben, fordern die Anerkennung der aramäischen Bezeichnung. Diese wird jedoch bis heute von der palästinensischen Autonomiebehörde abgelehnt.

Die große Mehrheit der in Israel lebenden Aramäer sieht sich als Teil der israelischen Gesellschaft. Eine zunehmende Anzahl meldet sich sogar freiwillig zum Israelischen Militärdienst. Diese Entwicklung ist in den letzten Jahren durch einen stärkeren Austausch mit den in Europa lebenden Aramäern zusätzlich gefördert worden. Viele der in Israel lebenden Aramäer haben Verwandte oder Bekannte in Europa. Auch der Bundesverband der Aramäer in Deutschland unterstützt diesen Prozess.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland e.V. setzt sich für die Rechte und Interessen der Aramäer in Deutschland und den Heimatländern ein. Die Aramäer sind ein semitisches Volk, das im Südosten der Türkei sowie in den Ländern des Nahen Ostens beheimatet ist. In Deutschland leben ca. 100.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 300.000. Die christlichen Aramäer sind hauptsächlich Angehörige der syrischen Kirchen, darunter syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, syrisch-maronitisch, syrisch-chaldäisch, „arabisch“-orthodox, apostolische Kirche des Ostens und Weitere.