baner
Sie sind hier:   Start Pressemitteilungen Historische Entscheidung im Heiligen Land
Historische Entscheidung im Heiligen Land PDF Drucken
Donnerstag, 23. Oktober 2014

Israel erkennt Aramäer als eigenständige Gemeinschaft an
Heidelberg, 23.09.2014 - Die Aramäer im Heiligen Land haben eine historische Entscheidung durchgesetzt. Ab sofort können in Israel Angehörige der aramäischen Gemeinschaft ihre eigene ethnische Zugehörigkeit in ihren Ausweisdokumenten registrieren lassen. Sie müssen nicht mehr die Bezeichnung „Araber“ annehmen. Über 10 Tausend Änderungsanträge wurden bereits eingereicht.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland zeigt sich erfreut über die Entscheidung der israelischen Regierung, als erstes Land im Nahen Osten überhaupt, die Aramäer als eigenständige ethnische Gemeinschaft anzuerkennen und die Bezeichnung „Aramäer“ als standesamtliche Eintragung zuzulassen. Betroffen von dieser Entscheidung sind schätzungsweise 130 – 160 Tausend christliche Aramäer im Kernland Israels und Ost-Jerusalem, die Angehörige der Religionsgemeinschaften syrisch-orthodox, syrisch-maronitisch und syrisch-katholisch sowie griechisch-orthodox und griechisch-katholisch, sind.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, erklärt die Hintergründe dieser Entwicklung: „Die Aramäer lehnen die Bezeichnungen „Araber“ als auch „Palästinenser“ für ihre Gemeinschaft ab. Nach der Staatsgründung Israels wurden sie jedoch gegen ihren Willen zu der Gruppe der Araber gezählt. In ihren Ausweisen steht seither die Eintragung „Araber“. Die Aramäer Israels haben dies stets abgelehnt und seit Jahren für eine eigenständige Bezeichnung gekämpft, die ihre eigene ethnische Herkunft zum Ausdruck bringt. Wir sind sehr glücklich darüber, dass es ihnen nun gelungen ist die Israelische Regierung zu überzeugen.“

Die aramäische Gemeinschaft ist eine eigenständige ethnische Gemeinschaft, die über eine Geschichte von mehr als viereinhalb Tausend Jahren zurückblickt. Die Existenz der Aramäer im Heiligen Land ist seit Jahrtausenden dokumentiert und auch im Alten Testament einschlägig belegt – lange bevor die ersten Araber Im Zuge der islamischen Expansion im 8. Jahrhundert in Syrien und dem Heiligen Land auftauchten, so Daniyel Demir weiter.

Der Bundesverband der Aramäer rechnet damit, dass der größte Teil der christlichen Minderheiten in Israel sich für diese Bezeichnung entscheiden wird. Laut Angaben der aramäischen Verantwortlichen in Jerusalem haben sich bereits mehr als 10 Tausend Menschen für die Bezeichnung „Aramäer“ entschieden. Voraussetzung für die Registrierung ist der Nachweis über die Herkunft aus dem Nahen Osten, Aramäisch als Muttersprache sowie die Zugehörigkeit zu einer der genannten Kirchen. Auch die Aramäer, die unter palästinensischer Verwaltung leben, fordern die Anerkennung der aramäischen Bezeichnung. Diese wird jedoch bis heute von der palästinensischen Autonomiebehörde abgelehnt, erklärt der Bundesverband der Aramäer in Deutschland.

Der Bundesverband der Aramäer weist darauf hin, dass die große Mehrheit der in Israel lebenden Aramäer sich als Teil der israelischen Gesellschaft ansieht. Eine zunehmende Anzahl meldet sich sogar freiwillig zum Israelischen Militärdienst. Diese Entwicklung ist in den letzten Jahren durch einen stärkeren Austausch mit den in Europa lebenden Aramäern zusätzlich befördert worden. Viele der in Israel lebenden Aramäer haben Verwandte oder Bekannte in Europa. Auch der Bundesverband der Aramäer in Deutschland unterstützt diesen Prozess.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland e.V. setzt sich für die Rechte und Interessen der Aramäer in Deutschland und den Heimatländern ein. Die Aramäer sind ein semitisches Volk, das im Südosten der Türkei sowie in den Ländern des Nahen Ostens beheimatet ist. In Deutschland leben ca. 100.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 300.000. Die christlichen Aramäer sind hauptsächlich Angehörige der syrischen Kirchen, darunter syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, syrisch-maronitisch, syrisch-chaldäisch, „arabisch“-orthodox, apostolische Kirche des Ostens und Weitere.