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Verleihung des Weimarer Menschenrechtspreises an die entführten syrischen Erzbischöfe – 597 Tage ohne Lebenszeichen PDF Drucken
Mittwoch, 10. Dezember 2014

Bundesverband der Aramäer in Deutschland fordert Aufklärung

Heidelberg, 10.12.2014 – Die seit 597 Tagen entführten Erzbischöfe Mor Gregorios Yohanna Ibrahim (Syrisch-Orthodoxe Kirche) und Boulos Yazigi (Griechisch-Orthodoxe Kirche) wurden heute am Internationalen Tag der Menschenrechte mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar geehrt. Der Vorschlag für die beiden Bischöfe stammte von der Gesellschaft für bedrohte Völker und wurde vom Weimarer Stadtrat einstimmig angenommen.

Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir: 

„Der Stadt Weimar gebührt unser Dank für diese Ehrung, die demonstrativ an das ungewisse Schicksal der entführten Erzbischöfe erinnern soll. Mit der Verleihung dieses Menschrechtspreises untrennbar verbunden, ist die Botschaft und der Ruf nach Freilassung der hohen Würdenträger, die seit dem 22. April 2013 vermisst werden. Für die Christen in Syrien und die Aramäische Gemeinschaft bundesweit ist die Verleihung des Weimarer Menschenrechtspreises an die entführten Erzbischöfe mit denen die gesamte Christenheit Syriens in Geiselhaft geraten ist, ein Zeichen der Solidarität und Ermutigung, gleichzeitig ein Appell an Gesellschaft, Medien und Politik in der Bundesrepublik Deutschland, das Schicksal und unsägliche Leid der Christen in Syrien und heute im Irak nicht auszublenden.“

Beide Würdenträger gelten als Verfechter der friedlichen Koexistenz von Religionsgemeinschaften und Volksgruppen in Syrien. Erzbischof Mor Gregorios Yohanna Ibrahim hatte im Juli 2012 eine Roadmap für den Frieden in Syrien veröffentlicht, um Versöhnung, Vergebung, Dialog und Gegenseitigkeit zu sichern - und zugleich das einmalige pluralistische Gefüge der syrischen Gesellschaft und nationalen Einheit zu bewahren. Der Erzbischof rief damals zum sofortigen Ende der Gewalt, zur wirksamen humanitären Hilfe und zum umfassenden Dialog auf, für eine Lösung am Verhandlungstisch, um der Tragödie ein Ende zu bereiten.

„Die Verantwortung für die Sicherheit und Unversehrtheit der entführten Erzbischöfe liegt in erster Linie in den Händen der syrischen Opposition, die angibt, die militärische wie auch zivile Kontrolle über das Gebiet der Entführung zu haben.“, erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir.

Er fordert die deutsche Bundesregierung auf, den politischen Druck auf die syrische Opposition und deren Partnern deutlich zu erhöhen, sowie die diplomatischen Bemühungen zu intensivieren. Die unverzügliche Freilassung der entführten Bischöfe muss entschieden eingefordert werden.

Am 22. April 2013 befanden sich der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Aleppo, Mor Gregorios Yohanna Ibrahim, und sein griechisch-orthodoxer Amtskollege Boulos Yazigi, Erzbischof von Aleppo und Iskenderun, gemeinsam auf einem humanitären Einsatz, um Verhandlungen über die Freilassung eines entführten Priesters zu führen, als sie auf dem Rückweg Bab Al-Hawa von der türkisch-syrischen Grenze zu ihren Diözesen von islamistischen Rebellen gewaltsam verschleppt wurden. Dabei wurde der Fahrer und Subdiakon von Bischof Ibrahim, Fatha’Allah Kabboud, ermordet. Der Vorfall ereignete sich in der nördlichen Provinz Aleppo, die von der oppositionellen Freien Syrischen Armee kontrolliert wird. Sämtliche Bemühungen zur Freilassung der Bischöfe blieben bisher erfolglos. Mehr als ein Jahr danach fehlt von ihnen noch immer jede Spur.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland e.V. setzt sich für die Rechte und Interessen der Aramäer in Deutschland und den Heimatländern ein. Die Aramäer sind ein semitisches Volk, das im Südosten der Türkei sowie in den Ländern des Nahen Ostens beheimatet ist. In Deutschland leben ca. 100.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 300.000. Die christlichen Aramäer sind hauptsächlich Angehörige der syrischen Kirchen, darunter syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, syrisch-maronitisch, syrisch-chaldäisch, „arabisch“-orthodox, apostolische Kirche des Ostens und Weitere.