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2 Jahre ohne Lebenszeichen – Schicksal entführter Bischöfe in Syrien weiterhin ungewiss PDF Drucken
Mittwoch, 22. April 2015

Bundesverband der Aramäer in Deutschland fordert die Bundesregierung um Aufklärung.

Heidelberg, 21.04.2015 – Am 22. April 2015 jährt sich zum zweiten Mal die Entführung des syrisch-orthodoxen Erzbischofs Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und seines griechisch-orthodoxen Amtsbruders Boulos Yazigi. Die Bischöfe wurden am 22. April 2013 nahe der Stadt Aleppo von islamistischen Rebellen verschleppt. Zwei Jahre danach fehlt von ihnen noch immer jedes Lebenszeichen.

Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir: „Für die Christen in Syrien und die Aramäische Gemeinschaft weltweit markiert der 22. April 2015 einen weiteren traurigen Jahrestag. Mit der Entführung der Erzbischöfe, die stets für Frieden und Dialog in Syrien warben und jetzt bereits seit 2 Jahren vermisst werden, befindet sich die gesamte Christenheit Syriens in Geiselhaft. Ihr ungewisses Schicksal raubt den noch ausharrenden Christen mehr und mehr den letzten Funken Hoffnung auf eine Zukunft und Perspektive in ihrer Heimat. Mehr als ein Viertel der christlichen Bevölkerung hat Syrien bereits verlassen, der Flüchtlingsstrom Richtung Europa ist ungebrochen.“

Beide Würdenträger gelten als Befürworter der friedlichen Koexistenz von Religions-gemeinschaften und Volksgruppen in Syrien. Erzbischof Mor Gregorios Yohanna Ibrahim hatte im Juli 2012 eine Roadmap für den Frieden in Syrien veröffentlicht, um Versöhnung, Vergebung, Dialog und Gegenseitigkeit zu sichern - und zugleich das einmalige pluralistische Gefüge der syrischen Gesellschaft und nationalen Einheit zu bewahren. Der Erzbischof rief damals zum sofortigen Ende der Gewalt, zur wirksamen humanitären Hilfe und zum umfassenden Dialog auf, für eine Lösung am Verhandlungstisch, um der Tragödie ein Ende zu bereiten.

Dieser Entführungsfall nahe der türkisch-syrischen Grenze wirft viele Fragen auf. Zwei Jahre nach der Entführung gibt es keine offiziellen Forderungen oder Bekennerschreiben der Täter. Trotz Beteuerungen der türkischen Regierung, sich für die Freilassung der Bischöfe einzusetzen, erhärtet sich bei vielen Aramäern der Eindruck, die türkischen Behörden würden eine eigene Agenda bei der Entführung der Bischöfe verfolgen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der mutmaßliche Entführer der Bischöfe, Magomed Abdurahmanov, Kaukasier und Anführer einer in Syrien aktiven islamistischen Al-Nusra-Brigade, bekannt auch unter dem Namen „Abu Banat“, von türkischen Behörden gefasst wurde und seitdem im Hochsicherheitsgefängnis Maltepe im Osten Istanbuls inhaftiert ist.

„Die Verantwortung für die Sicherheit und Unversehrtheit der entführten Erzbischöfe liegt in erster Linie in den Händen der syrischen Opposition, die angibt, die militärische, wie auch zivile Kontrolle über das Gebiet der Entführung zu haben.“, erklärt der Bundesvorsitzende Daniyel Demir weiter.

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland fordert die Bundesregierung und die internationale Staatengemeinschaft mit Nachdruck dazu auf, ernsthafte Anstrengungen anzustellen und den politischen Druck auf die sog. „syrische Opposition“ und deren Partnern, darunter die Türkei, Katar und Saudi-Arabien, deutlich zu erhöhen. Die unverzügliche Freilassung der entführten Bischöfe muss offen eingefordert werden.

Bei der brutalen Entführung am 22. April 2013 wurden der syrisch-orthodoxe Metropolit Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und sein griechisch-orthodoxer Amtskollege Boulos Yazigi nahe der Stadt Aleppo von islamistischen Rebellen verschleppt. Der Vorfall ereignete sich in einer von der oppositionellen Freien Syrischen Armee kontrollierten Region. Dabei wurde der Fahrer und Subdiakon von Bischof Ibrahim, Fatha’Allah Kabboud, ermordet. Weiterhin gibt es keine Hinweise zum Wohlergehen der Bischöfe oder zu möglichen (Lösegeld-) Forderungen der Täter. Sämtliche Bemühungen für eine Freilassung blieben bisher erfolglos.