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PRESSEMITTEILUNG zum Völkermord-Gedenken PDF Drucken
Montag, 27. April 2015

Aramäer: Äußerungen von Steinmeier inakzeptabel

Bundesverband der Aramäer kritisiert die Haltung von Außenminister Steinmeier in der Völkermordfrage. Ablehnung der Anerkennung mit dem Hinweis auf den Holocaust entbehre jeglicher Grundlage. Bundeskanzlerin soll einschreiten.

Heidelberg/Berlin, 27. April 2015 – Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland kritisiert in deutlichen Worten die Haltung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Umgang mit der Anerkennung des Völkermords an Aramäern und Armeniern im Osmanischen Reich und fordert gleichzeitig die Bundeskanzlerin auf einzugreifen. 

Herr Steinmeier produziere ständig neue und zunehmend befremdliche Erklärungen um seine unhaltbare Position zu rechtfertigen. Die Aussage, eine Anerkennung des Völkermords könne Implikationen für den Holocaust an den Juden beinhalten, sei absurd und in keiner Weise akzeptabel für einen deutschen Außenminister. Herr Steinmeier sei damit zu weit gegangen, er hat sich in der Diskussion eindeutig „vergaloppiert“. 

Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir:

„Bundesaußenminister Steinmeier hat in der Debatte jegliches Augenmaß für die Wahl seiner Argumente verloren. Zu den unerträglichen Wortspielen, die er seit Wochen betreibt, kommt jetzt der Versuch, den Holocaust gegen die Anerkennung des Völkermords auszuspielen. Das geht entschieden zu weit. Wir lehnen diese Art des Umgangs sowohl mit unserem Völkermord als auch mit dem Holocaust ab und fordern die Bundeskanzlerin auf, den Außenminister einzufangen.“

Aus Sicht des Bundesverbandes ist die positive Dynamik, die im Laufe der letzten Wochen in die Völkermord-Debatte gekommen sei mit den klaren Aussagen des Bundespräsidenten, des Bundestagspräsidenten sowie der einzelnen Abgeordneten zwar ein bemerkenswerter Durchbruch und sehr begrüßenswert, dennoch wurde im Rahmen der Bundestagsdebatte mit Blick auf den finalen Antragsentwurf deutlich, dass die Bundesregierung sehr wohl nicht bereit sei, historische Wahrheiten auch beim Namen zu nennen, sondern gar Fakten durch Wortspiele und Spitzfindigkeiten zu vertuschen: 

„Gott sei Dank, hat unser Land noch sehr viele aufrichtige und aufrechte Politiker. Wir sind sowohl dem Bundespräsidenten als auch dem Bundestagspräsidenten sowie den einzelnen Rednern der Fraktionen für ihre deutlichen Worte sehr dankbar. Sie haben Mut und Verantwortung demonstriert und den in Deutschland lebenden Aramäern Grund gegeben, Stolz auf die deutsche Politik zu sein. Dennoch muss man sich fragen: „Was blieb also am Ende übrig von der 

ehrenwerten Idee dem Völkermord zu gedenken, nachdem sie durch das steinmeiersche „Weichspülprogramm“ im Auswärtigen Amt gelaufen ist: Kein klares Bekenntnis, kein Mut zur Verantwortung, keine manifesten Aussagen. Große Koalition, erst einmal vielen Dank für gar nichts!“, so der Bundesvorsitzende Daniyel Demir.

Im 100. Gedenkjahr der Vernichtung christlicher Minderheiten im Osmanischen Reich, organisiert der Bundesverband der Aramäer in Deutschland zahlreiche Veranstaltungen um an das Leid der armenischen, aramäischen und griechischen Opfer zu erinnern. In den Jahren 1915 bis 1923 sind im Osmanischen Reich neben Armeniern auch bis zu 600 Tausend Aramäer durch Massaker, Massenmord und Deportation, verübt durch das osmanische Militär und kurdische Hilfstruppen, umgekommen. Das entsprach etwa zwei Dritteln der Mitglieder der damals auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebenden Aramäer. Weitere 200 – 300 Tausend wurden aus ihrer angestammten Heimat vertrieben oder als Kinder verschleppt und zwangsislamisiert.